09.02.2011 von Johanna Weidauer
Plattenspieler mit Thomas Meinecke & Gudrun Gut, HAU 2
Olli Schulz, Ochsentour
14.05.2011
Viele Erinnerungen trägt man im Herzen. Sie können allgegenwärtig oder verborgen, traurig oder glückseelig sein, ein Lächeln oder Weinen zaubern, wohlig einhüllen oder erzittern lassen. Sie sind kostbar, diese Erinnerungen, besonders, wenn sie goldenem Honig gleich in Glück hüllen und das Herz für Freude übergehen lassen. Viele dieser goldenen Momente, die ich in meinem Herzen trage, verdanke ich Olli Schulz. Seien es seine Songs, die ich mitsummte als ich mit meinem Fahrrad durch gelbe Rapsfelder fuhr, die unzähligen Stunden die ich mit seinen Platten verbrachte, um sie immer wieder zu hören oder all die unvergesslichen Konzert, an dich ich mit einer Träne im Knopfloch denke. Die folgenden Zeilen über das Konzert in der Reithalle des Potsdamer Hans-Otto-Theaters entstehen also zwangsläufig auf meiner tiefen Verbundenheit und erquicklichen Liebe zu Olli Schulz. Der objektiv-journalistische Anspruch muss dabei egal sein, den wahrhaft Großes darf man nur mit blühenden Worten und glühender Verehrung beschreiben. Es gilt Tribut zu zollen!
Olli Schulz hat eine neue Platte aufgenommen und stellt sie live vor. Es warten also grandiose Abende auf uns, mit Musik, die berührt, mit Anekdoten, die amüsieren und einem Olli Schulz, der so viel Freude an all dem hat. Leidlich genesen, spielt er dennoch erstaunlich fit im Rahmen des Potsdamer Nachtboulevard. Viele sind nicht gekommen, aber gerade diese intime Atmosphäre einer Klassenfahrt, wie Schulz die Veranstaltung charakterisiert, tut dem Abend so gut. Es wird gelacht bei neuen Liedern (Nutten & Koks, Halt die Fresse, krieg 'n Kind), alte Songs werden freudig begrüßt (Elefanten, Die Ankunft der Marsianer), die in Fankreisen schon länger bekannte Kuriositäten der frühen Schulzschen Schaffensphase gern gehört (Schmeckt wie Pisse riecht). Selbstredend stehen zwischen der bunten Mische aus Bekanntem und Neuen die beinahe legendären und gern immer wieder gehörten Anekdoten über vermeintlich eifersüchtige Freunde, bezahnspangte zahnlose Teenager und schlechte Witze auf Konzerten (oder die Möglichkeit vor dem Reden zu Denken). Besucht man ein Olli Konzert, besucht man eigentlich einen bunten Abend, der alles hat, was man braucht: Songs, die das Leben besser machen, Geschichten, die beinahe nicht wahr sein können und einen charmanten Mann mit Gitarre, der selbst im unvorteilhaftesten grünen Bühnenlicht eine gute Figur macht. Es war ein kuschliger Abend mit dem Großmeister der Unterhaltung, man darf sich auf das neue Album freuen. Bis dahin gesellt sich die Erinnerung an den Potsdamer Abend zu all den anderen tollen Momenten mit Olli Schulz: Es war schön. Till Lindemann trinkt vielleicht einen Prosecco darauf. Und ihr nutzt eine der noch zahlreichen Möglichkeiten den Schulz auf seiner Ochsentour zu sehen!
Artikel: Johanna Weidauer
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