I Am Kloot, Lido
30.03.2010
Es muss nicht immer mit sein, es geht auch ohne - eine Vorband. I Am Kloot aus Manchester ließen die Vorspeise bei ihrem Auftritt am 26. März im Berliner Lido gleich weg und gingen sofort zum Hauptgang, nämlich ihrer eigenen Show, über. Und dieser schmeckte nicht nur dem Publikum, sondern augenscheinlich auch der Band selbst recht gut. Erzählen die Songs meist Geschichten von Liebe, damit verbundenen tragischen Momenten, inneren Ängsten und Schmerz und dienen der Seele als Ventil, gestaltete sich der Abend weitaus heiterer als die Ausgangssituation das vielleicht vermuten lässt.
"From Your Favourite Sky" hatte die Ehre den Anstoß für eine ganze Reihe von Songs zu geben, die im weiteren Verlauf des Konzerts noch folgen sollten. Doch ließen I Am Kloot sich im Vorfeld dazu nicht lumpen unter einem pompösen Intro die Bühne zu betreten und den Zuschauern freudig ein "Prost! Guten Abend!" zuzurufen. Die Gläser erhoben sich, die Zungen wurden gelockert und die ersten Töne bahnten sich ihren Weg durch den Raum, in dem die Menschen dicht an dicht gedrängt auf Unterhaltung warteten. Da war ein kleiner Applaus für die schöne Eröffnung durchaus angebracht. John Bramwell griff zur Akustikgitarre, stützte seinen Fuß locker auf einer Getränkekiste ab und ließ seine unverkennbare Stimme in sanfter Tonlage die ersten Schritte nehmen.
I Am Kloot spielten sich an diesem Abend in gewohnt lässiger und gewitzter Manier durch ihr bemerkenswertes Repertoire, das sich bereits über fast ein Jahrzehnt erstreckt. Dabei muss man anerkennend feststellen, dass ihre Songs über diesen Zeitraum hinweg nichts an Qualität eingebüßt haben. Die Interpretationen wirken in der Spielweise routiniert und dennoch angenehm erfrischend im Ausdruck und lassen von der Auswahl her kaum Wünsche offen. Auch wenn die Songs sich zum Teil wie eine melancholische Decke über die Schultern der Zuhörer legen, wird niemals der Moment erreicht, in dem die Stimmung erdrückend wirkt. Im Gegenteil. Zwar lässt Pete Jobson seinen Kopf samt langem Haar lange Zeit über seinen Bass hängen und blickt zum Boden, John Bramwell hingegen versteht es mit viel natürlichem Witz und bester Laune die Pausen zwischen den Songs auf erheiternde Weise zu füllen. So dankt er dem Publikum mit einem zwinkerndem Auge für seine Zurückhaltung und seinen Optimismus, als die erwartete Reaktion auf die Ankündigung eines neuen Songs ausbleibt, scherzt er großspurig, dass sie am Merchandisestand nach der Show Prostituierte verkaufen werden und bemerkt, dass die Diskokugel an der Decke zwar nicht die schönste sei, aber sie die Zuschauer zu seinen "Freunden des Universums" machen würde.
"Drinks and disaster" - so lautet seine Beschreibung der Songinhalte gleich zweier Songs, womit er ein freudiges Gläserklirren und laute Lacher aus der Menschenmenge erntet. Auch wenn Berlin für das Trio aus Manchester, laut eigener Aussage, noch vor ein paar Jahren ein ziemlich exotisch klingender Ort war, den sie niemals glaubten zu bereisen, haben es I Am Kloot doch geschafft sich mit einer Hand voll Alben und vielen beachtenswerten Songs den Weg außerhalb ihrer Heimat zu ebnen. Das Schöne dabei ist, dass sie einem sowohl auf Platte als auch live auf der Bühne stets das Gefühl geben, dass sie einen zusammen mit ihren Songs auf eine Reise nehmen. Selbst wenn die Intensität, wie im Zugabenblock bei "One Man Brawl" zunimmt, kann man sicher sein danach von einem Stück wie "Proof" aufgefangen zu werden. Alle, die nicht selbst dabei sein konnten, werden vielleicht bald trotzdem die Gelegenheit haben das Berliner Konzert im Nachhinein mitzuerleben, denn es wurde von ein paar Kameras eingefangen. Ansonsten bleibt die Hoffnung, dass I Am Kloot ganz bald erneut für Begeisterung und schlichtweg Entzücken auf der Bühne sorgen werden.
Artikel: Annett Bonkowski
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