Mumford And Sons, Astra
16.04.2010
Auch wenn die Erwartungen ebenso hoch waren wie bei ihrer letzten Tour im November, so konnte man gewiss sein, dass Mumford And Sons sie wieder mit Auszeichnung erfüllen würden wie schon vor ein paar Monaten. Dieses Mal tauschten sie zwar den Auftrittsort, was die räumliche Dimension angeht, gegen eine unbestritten viel größere Location ein, jedoch wusste die Band wie eh und je mit ihrem spielerischen Können und ihrem herzlichen Charme zu überzeugen. Wie man aus einem Ort wie dem Berliner Astra trotz der Größe ein Konzert mit Wohnzimmerfeeling und Wohlfühlcharakter schafft, das steht in keinem Buch, aber das sympathische Quartett aus London könnte demnächst vielleicht eins darüber schreiben, denn sie haben es mit links hinbekommen, dass das Publikum im ausverkauften Haus sich in kleinere Räumlichkeiten versetzt gefühlt hat.
Noch einen oder zwei Seufzer Wartezeit überstanden und die Band betrat unter lautem Jubel die Bühne, die sie wie eine freundlich gestimmte Einheit in einer Reihe nebeneinander stehend ausfüllten, um mit dem Titelsong ihres Albums "Sigh No More" den Abend des 15. Aprils einzuläuten. Sie konnten jedoch noch so viel davon singen und uns versuchen das Seufzen abzugewöhnen, aber es mochte einem schwer fallen diesen Ratschlag zu befolgen, da die wunderbaren Gesangsharmonien von Marcus Mumford vorneweg und seinen drei ebenso gesanglich versierten Freunden unweigerlich dazu aufriefen einen Seufzer in Richtung Clubdecke zu senden. Überraschend schien sich die Größe des Publikums auch auf die Bandgesichter auszuwirken, denn diese verrieten hochgezogene Mundwinkel und glänzende Augen. Da bemerkte Marcus freudig und fast schon etwas ehrfürchtig "There's a lot of you!". Wenn schon einmal so viele Leute da waren, dann wollte man auch tanzen und so führte Winston am Banjo gleich ein kleines Tänzchen auf bevor die Zuschauer selbst ihren Teil bei "Roll Away Your Stone" dazu beitragen konnten. Stimmlich fühlte sich die zahlreich erschienene Menge ebenso dazu berufen als Hintergrundchor zu fungieren, was durch das ganze Konzert hinweg bemerkenswert gut klappte.
Bei wem sich bei der so sehnsuchtsvoll und aufrichtig interpretierten Zeile "Tell Me Now Where Was My Fault In Loving You With My Whole Heart?" aus "White Blank Page" nicht die Häarchen auf den Armen aufstellen oder ein Schauer über den Rücken lief, der kann nicht im selben Raum gewesen sein. Das Besondere an Mumford And Sons ist nicht nur, dass sie mit "Sigh No More" ein Debütalbum vorgelegt haben, das lyrisch und musikalisch beeindruckend und überzeugend zugleich ist, sondern auch, dass sie es auf der Bühne verstehen, die in den Songs schlummernde Intensität und ihre Gefühle mit so großer Emphase und viel Herzblut darzubieten. Ständig schleicht sich der Eindruck ins Bauchgefühl, dass dort etwas Einzigartiges vor sich geht. Auch die Band selbst schien sich angesichts der Atmosphäre darauf besinnen zu wollen, dass es doch nur Musik sei und bemerkte zwischendurch "Let's Not Take It Too Seriously, Yeah?", weil die Musik schon fast unheimlich intensiv, dennoch eindringlich und schön zugleich war. So stellte Marcus Mumford dann der Reihe nach die treuen Begleiter in Form von Spielzeugtieren vor, die die Band auf der Reise bei sich hat und ließ sich im Dialog mit den Zuschauern die deutschen Namen dafür erklären, was für viele Lacher sorgte.
Außer dem vom Album bekannten Material, wie zum Beispiel dem energischen "Little Lion Man", dem gefühlvollen "Timshel" oder wunderbaren "Dust Bowl Dance" wurden am besagten Abend in Berlin auch drei neue Songs vorgestellt. Auch deren Wesen vermochte den besonderen Funken sogleich zu entfachen, wobei vor allem das Stück "Lover Of The Light" mit Marcus hinter dem Schlagzeug die Vorfreude auf das nächste Album schürte. Um ein wenig Herzlichkeit zurückzugeben, die einem so unverblümt von Seiten der Bühne entgegen gebracht wurde, landete am Ende sogar noch ein kleines, hübsch verpacktes Geschenk vor der Nase der Band. Der Inhalt blieb dem Zuschauerauge verborgen, aber wenn man, wie an diesem Abend, selbst so reich und musikalisch hochwertig beschenkt wird, dann geht das schon in Ordnung. Wenn Mumford And Sons Berlin weitere solch brilliante Abende bescheren, landet beim nächsten Konzert vielleicht noch eine Horde von Präsenten auf der Bühne. Gegönnt wäre es ihnen allemal.
Artikel: Annett Bonkowski, Foto: Anne Bonkowski
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