The Rumble Strips, Bang Bang Club
03.03.2010
"Ohhhh noooo, oh noooo" singen The Rumble Strips gemeinsam mit dem Publikum bei ihrer vorletzten Zugabe „Alarm Clock" und der Wunsch nach einem unendlichen Abend ist nach dem knapp 90-minütigen Set überall zu spüren. Solch eine positive Ausstrahlung wie Charlie Waller und seine Mitmusiker verbreiten, will man nicht ohne Protest gehen lassen. Zeigt sich Berlin doch derzeitig immer noch als von Schnee und Kälte begleiteter Ort ohne jeglichen Sonnenschein, genießt man so viel bejahende Energie und sommerliche Leichtigkeit wie einen großen Eisbecher bei heißen Temperaturen.
Doch nun der Reihe nach: am Dienstagabend des 2. März ist der Bang Bang Club sehr gut gefüllt und der Grund dafür ist das lang ersehnte erste Berlinkonzert der Fünferkombo aus Tavistock. The Gecko sorgen mit schönen Melodien schon mal für gute Stimmung und werden auch mit höflichem Klatschen verabschiedet. Aber das ist alles Nichts im Vergleich zum Pfeifen, Kreischen und ohrenbetäubenden Applaus der ab kurz nach Zehn Uhr auf The Rumble Strips einprasselt. Sie würdigen dies mit einem Set voller Hymen, welche willkürliches Mitgrölen entfachen - angefangen bei „London" über „Not The Only Person" bis hin zu „Daniel".
Nach der Hälfte des Sets kann man sich davon überzeugen, dass es sogar noch besser geht: Der Wechsel von schnellen Songs zu langsamen Kuschelliedern ebbt ab und die Songs preschen noch mehr nach vorn. Die gesamte Tanzfläche wippt unaufhörlich und selbst die hinteren Reihen klatschen taktgerecht mit. Da bleibt auch den Pärchen nichts anderes übrig als sich aus der engen Umarmung zu lösen und die Hüften zu „Girls And Boys In Love" zu schwingen. Wie sollte es auch anders gehen? Charlie Waller fesselt mit seinem durchdringenden Blick eben doch jeden. Zeitweise schwenkt er mit weit herausstehenden Adern seine Gitarre so hoch über den Kopf, dass man denkt, dass er eine Bedrohung für Club und Leute darstellt. Auch Gitarre und Bass werden bei den Solis so herumgeworfen, dass das über sie prangende Bang Bang Club-Logo fasst auf sie niederfällt. Letztlich bleibt wohl nur der Banner unversehrt - das Publikum trägt höchstwahrscheinlich das emotionale Hoch noch in den nächsten Wochen mit sich.
Sie wissen um den Finger zu wickeln, die Briten. Wie es eben eine gestandene Liveband wie es The Rumble Strips sind, mit Leichtigkeit schafft. Aber wer auf Überraschungen hinsichtlich der Stimme oder des Klangs hofft, muss an dieser Stelle enttäuscht werden. Man bekommt genau das, was die zwei Platten auch schon zu bieten haben. Nichtsdestotrotz ist das Charisma der Band in jedem Quadratmeter des Raums verströmt und somit auf jeden Fall auch für die großen Bühnen dieser Welt bestimmt. Oder für die Festivalsaison. Das Publikum wird trotz des umfassenden Lobesgesangs seitens der Band mit dem Verlangen auf Neues, ein nächstes Mal und dem Gefühl der Dankbarkeit zurückgelassen - die Dankbarkeit für den bescherten Sommer im Herzen.
Artikel und Foto: Hella Wittenberg
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