21.06.2010 von Annett Bonkowski

The Drums

Spätestens seit dem Frühjahr sind The Drums aus New York nicht mehr von der musikalischen Bildfläche wegzudenken. Versüßten sie uns mit ihrer Summertime! EP doch den hässlichen, kalten Winter und riefen bei ihrem Live Debüt auf deutschem Boden kräftig zur aktiven Bewegung auf. Nun legen sie mit ihrem Debütalbum nach und haben uns im Rahmen ihrer Tour beim Stopp in Berlin einige unterhaltsame Minuten Gesprächszeit geschenkt.

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21.06.2010 von Annett Bonkowski

These New Puritans

Zwei Alben, eine Menge Visionen und den unaufhörlichen Drang die eigene musikalische Ader ständig anzupieksen - These New Puritans geben sich, was ihr kreatives Dasein angeht, nicht so einfach mit allem zufrieden. Ihr erfolgreicher Weg führt sie zu allererst einmal durch unendliche Gehirnwindungen, die sich eingehend mit der klanglichen Vorstellung auseinandersetzen. Musik machen ist für die Band Kopfsache, aber diese wird spätestens live durch ihre Impulshaftigkeit wieder ausbalanciert.

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01.06.2010 von Hariklia Woutsas

Let’s kiss and make up

Let's kiss and make up sind eine kleine Gruppe an Leuten, die Berlin offiziell seit dem 01.01.2010 mit Konzerten und DJ-Sets erster Klasse versorgen. Sollte sich jemand demnächst - oder eigentlich auch zu jeglicher Zeit der Welt - mal in die deutsche Hauptstadt verirren, demjenigen sei gesagt: Augen auf und unbedingt die sympathische Atmosphäre der Let's kiss and make up Veranstaltungen miterleben! Es ist Spaß. Es ist Unterhaltung. Es ist innovativ. Es ist Musik. Es ist Berlin!

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29.04.2010 von Annett Bonkowski

Blood Red Shoes

Blood Red Shoes - auch wenn der Name einen anderen Ursprung hat, so könnte man meinen, dass er gleichzeitig ein Indiz für all die tanzbaren und dynamischen Songs ist, die Laura-Mary Carter und Steve Ansell aus dem englischen Brighton am laufenden Band für uns bereit halten. Zwar ist beim ausgelösten, übermäßigen Bewegungsdrang durch die Musik der Blood Red Shoes Vorsicht geboten, was die Farbe der Fußsohlen und deren Zustand angeht, jedoch sind wir ganz ohne Wehwehchen und mit heilen Sohlen vom Interview mit der einen Hälfte der Band, Steve Ansell, zurück.

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18.04.2010 von Annett Bonkowski

Caribou

Mit "Odessa" hat Daniel Snaith alias Caribou bereits eine erste kleine Kostprobe seines neuen Albums "Swim" vorgelegt, bei der das Sättigungsgefühl selbst nach unzähligen Durchläufen nicht einsetzen will. Im Plauderton bringt Daniel Snaith dann in unserem Gespräch Licht ins Dunkel, was Fragen nach seinen mathematischen und musikalischen Fähigkeiten, aber auch seinem Können auf der Tanzfläche angeht. Des Weiteren haben wir erfahren, warum es von Vorteil ist, nicht auf alles eine Antwort zu haben und was "Swim" nicht nur seinem Namen nach, sondern vor allem was seinen Klang angeht, so flüssig macht.

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15.04.2010 von Benjamin Peter

Frank Turner

Es ist kurz vor Konzertbeginn im Berliner Magnet. Der Club ist ausverkauft und vor der Bühne findet sich eine schubladenübergreifende Menge aus allen möglichen Altersgruppen und wartet auf den Support-Act Jakoo and Jay. Währenddessen sitzen wir ein Stockwerk höher im Backstage-Bereich, um uns mit Frank Turner über seine Musik, seine Helden und fragwürdige Idole der linken Szene zu unterhalten.

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10.04.2010 von Annett Bonkowski

The Soft Pack

The Soft Pack aus San Diego haben sich seit ein paar Jahren voll und ganz der Musik verschrieben und sind eine Namensänderung, mehrere Line Up Wechsel und ein Debütalbum später endlich zufrieden mit sich und können das Tourleben nun in vollen Zügen genießen. Ihr gleichnamiges Album mit im Gepäck und gegen Ende ihrer Europa Tour, treffen wir Matt Lamkin und Brian Hill vor ihrem Konzert in Berlin und lassen uns berichten, welche Stolpersteine es in ihrer Karriere zu überwinden galt, warum Bands wie Phoenix, Bloc Party & Co so sympathische Zeitgenossen sind und warum man Kunst im Allgemeinen nicht erklären muss.

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08.04.2010 von Annett Bonkowski

Erik Penny

Das Reisen scheint stets ein treuer Begleiter der Musikerseele zu sein und schickt diese unaufhörlich von einem Ort zum anderen bis das rastlose Gemüt sich niederlassen möchte. Im Fall von Erik Penny bedurfte es dazu einer weiten Reise, nämlich von Los Angeles nach Berlin. Nun hat der amerikanische Singer-Songwriter in der Hauptstadt seine Zelte aufgeschlagen und mit vielen fleißigen Händen sein neues Album "Bend" aufgenommen. Aus diesem Anlass haben wir uns bei seinem Record Release Konzert im Berliner Privatclub für ein Gespräch mit ihm zusammengesetzt und ihn kurz vor dem Startschuss seiner Tour um ein paar Antworten gebeten.

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26.02.2010 von Annett Bonkowski

Brett Anderson

Seit seinem ersten Soloalbum im Jahr 2007 war Brett Anderson fleißig am Werkeln und schenkte uns rund alle zwölf Monate ein neues Album. Mittlerweile hat er mit "Slow Attack" Album Nummer drei aus dem Hut gezaubert und macht sich bereits über den Nachfolger Gedanken. Im Gespräch redet er offen über anstehende musikalische Richtungswechsel oder äußert sich zum Dilemma des vergangenen Musikjahrzehnts.

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08.02.2010 von Annett Bonkowski

First Aid Kit

Erste Hilfe zu leisten ist Ehrensache. Dass das auch musikalisch geht, wenn die Ohren sich nach etwas Schönem sehnen, beweisen Johanna und Klara Söderberg aus Schweden, die mit jugendlichem Enthusiasmus als First Aid Kit hinaus in die Welt ziehen.

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Blood Red Shoes

29.04.2010

Blood Red Shoes

Blood Red Shoes - auch wenn der Name einen anderen Ursprung hat, so könnte man meinen, dass er gleichzeitig ein Indiz für all die tanzbaren und dynamischen Songs ist, die Laura-Mary Carter und Steve Ansell aus dem englischen Brighton am laufenden Band für uns bereit halten. Zwar ist beim ausgelösten, übermäßigen Bewegungsdrang durch die Musik der Blood Red Shoes Vorsicht geboten, was die Farbe der Fußsohlen und deren Zustand angeht, jedoch sind wir ganz ohne Wehwehchen und mit heilen Sohlen vom Interview mit der einen Hälfte der Band, Steve Ansell, zurück. Trotz des immensen Schlafdefizits im Nacken, sprudelten die Antworten auf unsere Fragen nur so aus ihm heraus. Bloody hell - wir waren begeistert!

Woran erinnerst du dich am liebsten, wenn du an deinen ersten Kontakt mit Musik zurückdenkst?

Wenn ich an meine Kindheit und Musik denke, dann fällt mir ein wie mein Vater mit seinem Kassettenrekorder Aufnahmen von mir gemacht hat wie ich zu "Born in the USA" von Bruce Springsteen gesungen habe. Ich war zu diesem Zeitpunkt ungefähr sieben Jahre alt und habe ständig diesen Song gesungen. Mein Vater hat mich also einmal dabei aufgenommen, wie ich Bruce Springsteen imitiert habe. (lacht)

Ist dieses magische Etwas, das die Musik umgibt, für dich gewachsen oder geschrumpft seit du selbst angefangen hast  Musik zu machen?

Ich würde sagen es hat sich nicht allzu viel für mich persönlich verändert, wenn ich so darüber nachdenke. Seit ich ein Kind war, war ich von Musik besessen und das bin ich auch heute noch. Ich glaube aber, dass je mehr ich über Musik lerne desto weniger habe ich das Gefühl zu wissen, was genau Musik eigentlich ist. Weißt du was ich meine? Es ist fast so, als ob die Musik immer geheimnisvoller wird und sie kann dich täglich auf's Neue überraschen. Das ist mir mittlerweile klar geworden. Du kannst jeden Tag etwas Neues herausfinden, dass dich umhaut. Oder du hörst irgendwo etwas, was dich total fasziniert und du versuchst dahinter zu steigen wie es gemacht wurde. Ich kann mir nicht vorstellen ohne Musik zu leben. Es steckt einfach in mir und ich muss von ihr umgeben sein. Deswegen summe ich auch andauernd oder trommle mit den Fingern auf meinen Beinen herum. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, warum das so ist, aber es gefällt mir, dass ich ständig eine Melodie im Kopf habe.

Wie ist das für die Leute in deiner Umgebung, wenn du ununterbrochen musikalisch aktiv bist?

Oh, ich gehe damit allen um mich herum auf die Nerven! (lacht) Wenn wir manchmal im Van sitzen, kann ich auch nicht aufhören Lieder zu summen, auch wenn manche Leute vielleicht lieber ihre Ruhe haben wollen würden. Es geht einfach nicht. Ich laufe auch durch die Gegend und singe mir selbst Passagen vor, die ich später am Schlagzeug umsetzen will. Da bekomme ich natürlich ab und zu mal ein "Halt die Klappe" an den Kopf geworfen. (lacht)

Mark Twain hat einmal gesagt, dass er zwei Monate lang von einem guten Kompliment leben und sich daran erfreuen konnte. Was war das schönste Kompliment, was dir jemals bezüglich deiner Musik gemacht wurde?

Lass mich einen Moment darüber nachdenken... Es ist wirklich schwierig sich an das Beste zu erinnern. Die meisten Menschen kommen einfach auf mich zu und sagen mir, dass es doch unheimlich schwer sein muss, wenn man zur selben Zeit singt und Schlagzeug spielt. Daher muss ich einen Augenblick überlegen, was mich an Komplimenten besonders von den Socken gehauen hat. Oh warte, ich erinnere mich an eine Review, in der man über mich geschrieben hat, dass ich wie ein junger Dave Grohl wäre. Das hat mich sehr gefreut!

Bleiben wir kurz beim Thema Kritik. Sind es eher die guten oder die schlechten Kritiken, die dir im Gedächtnis hängen bleiben?

Immer die schlechten Kritiken! Aus irgendeinem Grund fallen sie immer mehr ins Gewicht, auch wenn sie quantitativ vielleicht nicht hervorstechen. Es können von 25 Kritiken 24 positiv und eine negativ sein, aber genau diese ist es dann, an die du dich auch noch ein Jahr später erinnern wirst. Sie hat einfach eine größere Wirkung auf dich und ich glaube, dass es vielen Bands so geht wie mir. Auch im Privatleben ist es da bei den meisten Menschen sehr ähnlich.

Als Musiker ist man einer gewissen Routine ausgesetzt, besonders wenn man auf Tour ist. Ist so eine Routine in deinen Augen tödlich oder förderlich?

Sie ist auf jeden Fall sehr nützlich. Wenn man so lange unterwegs ist und jeden Abend in einer anderen Stadt spielt, dann braucht man zwischendurch gewisse Abläufe, die dir wieder Stabilität geben. Ohne etwas Routine wäre das Touren echt schwer und ich wüsste gar nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Trotzdem ist es wichtig, dass man ab und zu aus dieser Routine ausbricht und sich Abwechslung sucht. Als wir mit unserem ersten Album auf Tour waren, sind wir in diesen Kreislauf geraten, wo wir gar nicht mehr unterscheiden konnten, was wir an den verschiedenen Tagen gemacht haben oder wo wir uns befanden. Es gibt ganze Abschnitte Ende des Jahres 2008, an die ich mich nicht mehr richtig erinnern kann, weil die Tage zu einem Ganzen verschwommen sind. Du springst nur noch in den Van, fährst endlose Stunden zum nächsten Ort und am Ende weißt du gar nicht mehr, was du gemacht hast, weil sich alles gleich anfühlt. Es ist fast so, als ob du in einem automatischen Modus agierst. Genau deshalb haben wir uns entschlossen etwas dagegen zu tun, damit das nicht noch einmal passiert. Wir versuchen auf Tour nun ein paar freie Tage mehr in den Plan einzubauen, so dass wir mehr persönlichen Freiraum haben und nicht wie die Irren umher laufen. (lacht) Schließlich lieben wir das, was wir tun und auf diese Weise können wir es auch mehr genießen. Sonst wäre diese Routine in der Tat tödlich für das Leben als Band.

Wie gehst du als Musiker mit dem ständigen Kampf zwischen den Noten und der Pause um? Beide Elemente sind für die Musik von besonderer Bedeutung, aber oft wird der Pause und der damit verbundenen Stille in der Musik nicht sehr viel Platz eingeräumt, obwohl sie so wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

Ich muss gestehen, dass es für mich persönlich sehr schwer ist mit der Pause als musikalisches Element umzugehen. Da ich so unheimlich aktiv bin und am liebsten andauernd Töne produziere, möchte ich eventuelle Ruhephasen in der Musik auch immer mit Noten füllen anstatt mich zurückzunehmen und mit der Stille zu arbeiten. Es ist hart für mich, wenn ich mich beim Musik machen stoppen soll, aber ich glaube, dass ich mit der Zeit besser darin geworden bin bestimmte Momente den Pausen zu überlassen. Für gewöhnlich spiele ich gerne sehr schnelle Passagen auf dem Schlagzeug, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass ich auch mal aussetzen muss, wenn es der Song erfordert.

Du hast gerade das schnelle Spielen angesprochen. Eure Musik geht im Allgemeinen sehr geradeaus und kommt schnell auf den Punkt. Bist du nur musikalisch gesehen jemand, der diese Eigenschaft verkörpert oder bist du abseits der Bühne ähnlich?

Ich bin definitiv jemand, der auch im normalen Leben immer sagt, was er denkt. Manchmal halten mich Leute sogar für ziemlich ungehobelt, weil ich immer so direkt bin und kein Blatt vor den Mund nehme. Laura-Mary ist da viel höflicher als ich es bin. Wir sind uns zwar sehr ähnlich und sagen unsere Meinung offen, aber sie kann es im Gegensatz zu mir besser verpacken und kommt netter rüber, auch wenn sie etwas nicht mag. Ich habe keine Geduld dafür und lasse meine Gedanken und Gefühle einfach raus.

Wie oft hat dich dieser Charakterzug deiner Persönlichkeit in Schwierigkeiten gebracht? Viele Menschen reagieren doch eher empfindlich, wenn sie sich angegriffen fühlen.

Ich habe deswegen immer und überall Ärger, das kann ich dir sagen! (lacht)

Wo kommt dieser Drang her solch raue und schnörkellose Musik zu machen?

Wahrscheinlich hat es etwas mit der Chemie zwischen mir und Laura-Mary zu tun, denn wir können einfach gar nicht anders, wenn wir zusammen Musik machen. Es führt letztendlich immer zu dieser Art von Musik. Ich bin mir sicher, dass es ganz anders wäre, wenn wir mit anderen Leuten spielen würden. Es fühlt sich so ganz natürlich an und kommt aus uns raus, wenn wir loslegen. In letzter Zeit haben wir aber auch versucht mehr an uns zu arbeiten und haben viel experimentiert. Viele der Sachen, die dabei entstanden sind, haben einen viel ruhigeren Charakter als die Sachen, die man sonst so von uns kennt. Wir wollen uns musikalisch weiterentwickeln und sind während unserer Arbeit zu einem Ergebnis gekommen, dass sehr viel atmosphärischer klingt als unser älteres Material. Wenn man uns anfänglich in einen Raum steckt, dann kommt als Erstes sehr wahrscheinlich etwas Schnelles und Lautes dabei heraus, aber wir sind dabei auch andere Seiten an uns zu entdecken.

Das heißt eure temporeichen Songs sind im Normalfall auch immer diejenigen, die am schnellsten entstehen?

Hm, für gewöhnlich stimmt das, aber auf dem neuen Album gibt es da eine Ausnahme. "When We Wake" ist der wohl langsamste Song der ganzen Platte und er ist komischerweise am schnellsten von allen fertig gewesen. Er ist einfach so aus uns heraus gesprudelt. Laura-Mary hat diese simple Melodie auf der Gitarre gespielt und hat angefangen zu singen und alles danach ging sehr schnell. Ich dachte mir, super, ich spiele für die Hälfte des Songs mal kein Schlagzeug und dann werden wir etwas später so richtig laut! (lacht) Der Song ist uns sehr einfach von der Hand gegangen, auch wenn wir es sonst lieben uns an den Melodien aufzuhalten und oft Änderungen vornehmen. Gerade bei den schnellen Stücken sind wir da sehr wählerisch und penibel.

Musik ist oftmals etwas bei dem man sich völlig fallen lassen kann. Ist das für dich beim Entstehungsprozess von Songs genauso einfach wie vielleicht später beim Spielen auf der Bühne?

Ich kann mich bei beiden Abläufen ganz gut in der Musik fallen lassen. Gerade wenn man dabei ist zu jammen und Musik zu kreieren, kann es schnell passieren, dass man völlig darin aufgeht und alles um sich herum vergisst, weil alles so plötzlich aus dir herauskommt. Man fühlt sich auf einmal so aufgeladen, begeistert und frei. Genau dasselbe Gefühl habe ich aber auch, wenn wir ein sehr gutes Konzert spielen. In solchen Momenten existiert nur das Gefühl und die Welt um dich herum wird ausgeblendet. Das kann sowohl beim Schreiben als auch auf der Bühne der Fall sein. Wenn du zum Beispiel merkst, dass beim Schreiben von Musik dieser besondere Funken entfacht wird, dann ist das ebenso ein magischer Moment wie du ihn vielleicht auf der Bühne hast. Aus dem Grund, weil du ihn nicht kontrollieren kannst. Er rollt einfach auf dich zu und reißt dich mit.

Ich kann mir vorstellen, dass es im Vergleich dazu im Studio wesentlich schwieriger ist dieses Gefühl zu erreichen, weil alles auf einer viel technischeren Basis funktioniert als das beim Schreiben oder beim Spielen von Konzerten der Fall ist.

Ja, das stimmt. Im Studio ist alles viel klinischer und du denkst ständig über diese oder jene technischen Prozesse nach. Das macht es ohne Frage schwerer ganz in der Musik aufzugehen. Wir haben auch eine Weile gebraucht bis wir uns an die Arbeit im Studio gewöhnt hatten. Die Songs werden plötzlich auseinandergerissen und du arbeitest mit Bruchstücken, um sie perfekt zu machen. Dadurch geht der natürliche Energiefluss verloren und es fällt dir automatisch schwerer trotzdem das richtige Gefühl für den Song aufkommen zu lassen. Man muss sich schon fast hypnotisieren, um das auszudrücken, was man ursprünglich sagen wollte. Gerade beim Gesang ist es wahnsinnig schwierig sich in die richtige Stimmung zu versetzen, die der Song von dir verlangt. Besonders, wenn sich erst am Ende alle Teile zusammen fügen.

Gibt es auf der Bühne vielleicht auch Momente, in denen ihr die Gefühle in den Songs nicht auf Anhieb so reproduzieren könnt, wie das vielleicht auf Platte der Fall ist?

Ja, diese Momente gibt es wirklich. Generell ist es so, dass sich manche Gefühle in den Songs und die Art wie du sie interpretierst nach einer gewissen Weile verändern können. Zuerst singst du die Songs noch so wie sie einmal bestimmt waren und irgendwann kann es sein, dass du eine völlig neue Seite an ihnen entdeckst und diese dann auch dementsprechend anders rüber bringst. Der Auslöser dafür kann ganz subtil und unerklärlich sein oder du fängst ganz bewusst an die Stimmung des Songs auf eine ganz neue Art und Weise wiederzugeben. Ich habe Aufnahmen von Konzerten von uns, bei denen man das ganz klar hören kann. Wir haben einige Shows als Support von anderen Bands gespielt, bei denen uns das Publikum ganz offensichtlich hasste. Also haben wir nach dem dritten Song angefangen unsere Wut und unseren Ärger auf unsere Songs zu projizieren und dadurch etwas ganz Neues in ihnen zum Leben erweckt. Wir haben uns einfach nur gedacht "Fuck You! Euch werden wir es zeigen!". (lacht)

Schaut man sich die Musikwelt so an, dann fällt auf, dass unheimlich vieles in ihr nur noch über visuelle Reize funktioniert bzw. die Augen mehr beansprucht werden als die Ohren - zumindest was aufwendige Musikvideos, ausgefallene CD-Designs und Verpackungen sowie Bühnenbilder angeht. Stört es dich als Künstler, dass die Musik manchmal nicht die erste Geige spielt und so viel Wert auf Äußeres gelegt wird?

Wenn ich ehrlich bin, stört es mich nicht so sehr. Vielleicht sollte es das, aber es gefällt mir irgendwie. Alles was damit zusammenhängt, kann so positiv sein, wenn man es nur richtig für sich nutzt. Die visuelle Seite von Musik kann auch viele Türen öffnen. Die Art wie sich die Musikwelt gewandelt hat, hat auch seine Vorteile, denn man kann unglaublich kreativ sein, wenn man visuell ebenfalls etwas zu sagen hat und die Musik dadurch sogar noch bereichern kann. Das Internet bietet viele fantastische Möglichkeiten dafür. Jeder kann mittlerweile Videos drehen und sie hochladen. Wenn man wollte, könnte man für jeden Song ein eigenes Video drehen. Es muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, obwohl es oftmals zu einem wird, wenn alles auf Marketingstrategien basiert. Laura-Mary und ich haben uns schon oft über diesen Aspekt unterhalten, weil sie ja selbst eine visuelle Künstlerin ist und malt. Wir sind noch dabei herauszufinden, auf welche Weise wir diese visuelle Plattform als Bereicherung für unsere Musik nutzen können. Wenn man das richtig angeht, kann es unheimlich spannend sein, aber es sollte nicht dazu dienen die Verkaufszahlen deiner Alben nach oben zu treiben. Das finden wir ungemein billig. Blendet man diesen Aspekt aus, dann kann man auf so vielen Ebenen wunderbar kreativ sein und etwas schaffen, das die Musik bereichert anstatt sie zu verdrängen.

Und wie geht ihr mit dem Druck um auf auditiver und visueller Ebene gleichzeitig aktiv zu sein?

Das setzt uns manchmal schon etwas unter Druck, das ist richtig. Laura-Mary bekommt das mehr zu spüren als ich, weil sie die Coverdesigns gestaltet. Die Sache ist die, dass wir es hassen, wenn andere Leute das übernehmen. Deswegen machen wir es selbst. Es ist so schwierig, wenn jemand Außenstehendes das übernimmt, weil die Designs der Musik gerecht werden sollen und wir immer noch am besten entscheiden können, was nun passt oder völlig danebenliegt. Natürlich lastet durch unsere Eigeninitiative ein großer Druck auf uns. Laura-Mary hat andauernd irgendwelche Deadlines um die Ohren, wenn es um Cover- oder T-Shirtdesigns geht. Deadlines sind echt das Letzte! Ich hasse sie... Das ist ja wie damals in der Schule. (lacht) Jedenfalls bin ich relativ frei von jeglichem Druck, was die visuelle Seite angeht, aber Laura-Mary weiß, was es bedeutet gestresst zu sein, weil sie alles abbekommt.

Viele Bands machen sich nicht die Mühe ihre Kreativität auch visuell auszuleben. Könntet ihr euch vorstellen, dass ihr euch jemals davon distanziert und nicht mehr in diesem Prozess involviert seid - euch nur auf die Musik konzentriert, wenn es zu stressig werden sollte?

Nein, niemals. Das kann ich mir absolut nicht vorstellen. Für uns geht das immer Hand in Hand. Wie zum Teufel soll jemand von außen wirklich verstehen, was unsere Musik für uns bedeutet und was wir damit aussagen wollen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand uns so gut durchschaut, dass diese Person das Design für unsere Platten zu unserer vollsten Zufriedenheit machen könnte. Das erscheint mir zu abwegig. Selbst wenn das Design als solches wirklich toll wäre, kann ich mir nicht vorstellen, dass es das Wesen von unserer Musik wirklich einfangen könnte. Die Verbindung von Musik und Design können nur wir selbst zum Ausdruck bringen. Meistens hat Laura-Mary schon während der Entstehung des Albums gewisse Vorstellungen, was das Design des Covers angeht. Es geschieht ganz natürlich während wir uns mit der Musik beschäftigen.

Eine interessante Entwicklung in der letzten Zeit macht deutlich, dass der epische Rocksong nicht so tot ist wie oft angenommen wird. Immer häufiger tendieren Bands wieder dazu Songs aufzunehmen, die weit über die üblichen drei oder vier Minuten hinausgehen. Auch auf eurem letzten Album findet sich mit "Colours Fade" ein weiterer Beweis dafür.

Ja, der lange Rocksong lebt! (lacht) Das stimmt, es gibt wieder eine Menge Songs, die sich nicht auf das übliche Maß beschränken und das ist gut so. Wir haben aber nicht bewusst daran gefeilt einen so langen Song wie "Colours Fade" auf das Album zu nehmen, es ist auf ganz natürlichem Weg dazu gekommen. Wir haben einfach angefangen zu schreiben und am Ende war der Song länger als alle anderen. In der letzten Minute passiert auch gar nicht mehr so viel, weil es fast nur noch Feedback und Krach gibt - das müssen wir also vom wirklichen Song abziehen. (lacht) Es hat sich toll angefühlt so lange zu jammen und dieses großartige Gitarrenriff laufen zu lassen. Wir wollten danach gar nichts daran ändern und haben den Song in seiner ursprünglichen Form behalten. Normalerweise geht uns nach drei Minuten die Puste aus und die Songs finden so ihr Ende, aber bei diesem Song war es anders. (lacht)

Hat es eine besondere Bedeutung, dass "Colours Fade" in seiner epischen Länge gleichzeitig den Abschluss des Albums bildet oder hätte der Song das Album auch eröffnen können?

Lustig, dass du das fragst, denn wir haben wirklich darüber nachgedacht den Song als Opener für die Platte zu nehmen, aber uns dann doch anders entschieden. Die vielen Echos und der ganze Lärm am Ende des Songs hätten es schwierig gemacht danach in einen anderen Song überzugehen, deswegen ist er am Ende des Albums besser aufgehoben. Wir haben einfach keine Möglichkeit gefunden ihn woanders zu platzieren.

Hängt der Erfolg einer Show für dich von der Reaktion des Publikums ab oder von deiner inneren Zufriedenheit, die du spürst, wenn du auf der Bühne stehst und spielst?

Beides! Wenn ich zum Beispiel irgendetwas beim Spielen vermasselt habe, aber das Publikum selbst großartig war, dann bin ich danach trotzdem nicht ganz und gar glücklich mit dem Auftritt. Beide Dinge spielen da in meine Stimmung mit hinein, ob ich will oder nicht. Trotzdem ist es so, dass die Reaktion vom Publikum zunächst den größeren Ausschlag gibt, weil sie so direkt ist und dich härter trifft als ein Fehler, der dir auf der Bühne passiert. Wenn das Publikum richtig gut ist, dann überträgt sich das sofort auf dein Spiel und du wirst von den Leuten mitgerissen. Das ist großartig! Es ist fast so, als ob dich die Masse antreibt und noch mehr motiviert. Für mich ist das Schönste am Spielen, wenn ich diese besondere Verbindung zwischen dem Publikum uns spüre. Es gibt nichts Besseres! Noch schöner ist es nur, wenn ich dabei fehlerfrei spiele. (lacht) Wir hatten auch schon Shows, wo wir technisch gesehen wirklich gut waren, aber die Zuschauer einfach nur rumstanden und gar keine Reaktion kam. Das nimmt dir trotz allem den Wind aus den Segeln.

Und deine Prognose für die heutige Show ist...?

Die Show wird hoffentlich fantastisch! Und - wir machen hoffentlich keine Fehler! (lacht)

Interview: Annett Bonkowski, Foto: Hella Wittenberg

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