21.06.2010 von Annett Bonkowski

The Drums

Spätestens seit dem Frühjahr sind The Drums aus New York nicht mehr von der musikalischen Bildfläche wegzudenken. Versüßten sie uns mit ihrer Summertime! EP doch den hässlichen, kalten Winter und riefen bei ihrem Live Debüt auf deutschem Boden kräftig zur aktiven Bewegung auf. Nun legen sie mit ihrem Debütalbum nach und haben uns im Rahmen ihrer Tour beim Stopp in Berlin einige unterhaltsame Minuten Gesprächszeit geschenkt.

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21.06.2010 von Annett Bonkowski

These New Puritans

Zwei Alben, eine Menge Visionen und den unaufhörlichen Drang die eigene musikalische Ader ständig anzupieksen - These New Puritans geben sich, was ihr kreatives Dasein angeht, nicht so einfach mit allem zufrieden. Ihr erfolgreicher Weg führt sie zu allererst einmal durch unendliche Gehirnwindungen, die sich eingehend mit der klanglichen Vorstellung auseinandersetzen. Musik machen ist für die Band Kopfsache, aber diese wird spätestens live durch ihre Impulshaftigkeit wieder ausbalanciert.

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01.06.2010 von Hariklia Woutsas

Let’s kiss and make up

Let's kiss and make up sind eine kleine Gruppe an Leuten, die Berlin offiziell seit dem 01.01.2010 mit Konzerten und DJ-Sets erster Klasse versorgen. Sollte sich jemand demnächst - oder eigentlich auch zu jeglicher Zeit der Welt - mal in die deutsche Hauptstadt verirren, demjenigen sei gesagt: Augen auf und unbedingt die sympathische Atmosphäre der Let's kiss and make up Veranstaltungen miterleben! Es ist Spaß. Es ist Unterhaltung. Es ist innovativ. Es ist Musik. Es ist Berlin!

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29.04.2010 von Annett Bonkowski

Blood Red Shoes

Blood Red Shoes - auch wenn der Name einen anderen Ursprung hat, so könnte man meinen, dass er gleichzeitig ein Indiz für all die tanzbaren und dynamischen Songs ist, die Laura-Mary Carter und Steve Ansell aus dem englischen Brighton am laufenden Band für uns bereit halten. Zwar ist beim ausgelösten, übermäßigen Bewegungsdrang durch die Musik der Blood Red Shoes Vorsicht geboten, was die Farbe der Fußsohlen und deren Zustand angeht, jedoch sind wir ganz ohne Wehwehchen und mit heilen Sohlen vom Interview mit der einen Hälfte der Band, Steve Ansell, zurück.

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18.04.2010 von Annett Bonkowski

Caribou

Mit "Odessa" hat Daniel Snaith alias Caribou bereits eine erste kleine Kostprobe seines neuen Albums "Swim" vorgelegt, bei der das Sättigungsgefühl selbst nach unzähligen Durchläufen nicht einsetzen will. Im Plauderton bringt Daniel Snaith dann in unserem Gespräch Licht ins Dunkel, was Fragen nach seinen mathematischen und musikalischen Fähigkeiten, aber auch seinem Können auf der Tanzfläche angeht. Des Weiteren haben wir erfahren, warum es von Vorteil ist, nicht auf alles eine Antwort zu haben und was "Swim" nicht nur seinem Namen nach, sondern vor allem was seinen Klang angeht, so flüssig macht.

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15.04.2010 von Benjamin Peter

Frank Turner

Es ist kurz vor Konzertbeginn im Berliner Magnet. Der Club ist ausverkauft und vor der Bühne findet sich eine schubladenübergreifende Menge aus allen möglichen Altersgruppen und wartet auf den Support-Act Jakoo and Jay. Währenddessen sitzen wir ein Stockwerk höher im Backstage-Bereich, um uns mit Frank Turner über seine Musik, seine Helden und fragwürdige Idole der linken Szene zu unterhalten.

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10.04.2010 von Annett Bonkowski

The Soft Pack

The Soft Pack aus San Diego haben sich seit ein paar Jahren voll und ganz der Musik verschrieben und sind eine Namensänderung, mehrere Line Up Wechsel und ein Debütalbum später endlich zufrieden mit sich und können das Tourleben nun in vollen Zügen genießen. Ihr gleichnamiges Album mit im Gepäck und gegen Ende ihrer Europa Tour, treffen wir Matt Lamkin und Brian Hill vor ihrem Konzert in Berlin und lassen uns berichten, welche Stolpersteine es in ihrer Karriere zu überwinden galt, warum Bands wie Phoenix, Bloc Party & Co so sympathische Zeitgenossen sind und warum man Kunst im Allgemeinen nicht erklären muss.

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08.04.2010 von Annett Bonkowski

Erik Penny

Das Reisen scheint stets ein treuer Begleiter der Musikerseele zu sein und schickt diese unaufhörlich von einem Ort zum anderen bis das rastlose Gemüt sich niederlassen möchte. Im Fall von Erik Penny bedurfte es dazu einer weiten Reise, nämlich von Los Angeles nach Berlin. Nun hat der amerikanische Singer-Songwriter in der Hauptstadt seine Zelte aufgeschlagen und mit vielen fleißigen Händen sein neues Album "Bend" aufgenommen. Aus diesem Anlass haben wir uns bei seinem Record Release Konzert im Berliner Privatclub für ein Gespräch mit ihm zusammengesetzt und ihn kurz vor dem Startschuss seiner Tour um ein paar Antworten gebeten.

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26.02.2010 von Annett Bonkowski

Brett Anderson

Seit seinem ersten Soloalbum im Jahr 2007 war Brett Anderson fleißig am Werkeln und schenkte uns rund alle zwölf Monate ein neues Album. Mittlerweile hat er mit "Slow Attack" Album Nummer drei aus dem Hut gezaubert und macht sich bereits über den Nachfolger Gedanken. Im Gespräch redet er offen über anstehende musikalische Richtungswechsel oder äußert sich zum Dilemma des vergangenen Musikjahrzehnts.

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08.02.2010 von Annett Bonkowski

First Aid Kit

Erste Hilfe zu leisten ist Ehrensache. Dass das auch musikalisch geht, wenn die Ohren sich nach etwas Schönem sehnen, beweisen Johanna und Klara Söderberg aus Schweden, die mit jugendlichem Enthusiasmus als First Aid Kit hinaus in die Welt ziehen.

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The Drums

21.06.2010

Spätestens seit dem Frühjahr sind The Drums aus New York nicht mehr von der musikalischen Bildfläche wegzudenken. Versüßten sie uns mit ihrer Summertime! EP doch den hässlichen, kalten Winter und riefen bei ihrem Live Debüt auf deutschem Boden kräftig zur aktiven Bewegung auf. Nun legen sie mit ihrem Debütalbum nach und haben uns im Rahmen ihrer Tour beim Stopp in Berlin einige unterhaltsame Minuten Gesprächszeit geschenkt. Grund genug, um bei den beiden bodenständigen Gitarristen Jacob Graham und Adam Kessler mal genauer nachzufragen wie sie mit all der Aufmerksamkeit um die Band umgehen und warum es sich auch im Jahre 2010 noch unverschämt gut mit der Etikette einer "Pop" Band leben lässt.

Willkommen zurück in Berlin!

Jacob: Danke! Sag mal, wurden wir gerade eingeschlossen?

Ich hoffe nicht. Wieso, habt ihr euch während der anderen Interviews schlecht benommen?

Jacob: Ja, es war überall Blut an den Wänden (lacht).

Um Gottes Willen. War denn eure Rückkehr nach Berlin bisher erfreulich? Ihr ward ja erst im Februar das letzte Mal in der Stadt.

Jacob: Ja, danke. Bisher sind wir sehr froh hier zu sein, aber wir haben ja noch nicht gespielt. Wer weiß, was noch so alles passiert...(lacht). Letztes Mal haben die Leute hier toll auf uns reagiert. Da hat es unheimlich viel Spaß gemacht hier zu spielen. Wir sind erst heute Morgen aus Barcelona gelandet und da war so schönes Wetter, da fällt es einem ein bisschen schwer all den Regen hier mit anzusehen. Aber wir mögen die Menschen hier sehr gerne, daher mögen wir auch die Stadt.

Macht ihr es von euren Shows abhängig, ob ihr lieber an bestimmte Orte zurückkehrt als an andere?

Adam: Für mich sind die Leute am wichtigsten, die ich vor Ort treffe.

Jacob: Wenn das Wetter schlecht ist, aber da ein Haufen Kids zu unseren Konzerten kommt, nur um uns zu sehen, dann freut uns das natürlich umso mehr und wir erinnern uns gerne daran zurück. Eine nicht so gute Kombination wäre natürlich mieses Wetter und ein schlechtes Publikum (lacht).

Die letzten Monate hattet ihr einen ziemlich vollen Terminkalender und seid viel auf Tour gewesen. War das eine bereichernde Erfahrung für euch?

Adam: Ja, auf jeden Fall. Momentan fühlt es sich immer noch recht neu für uns an und wir müssen uns noch an all das um uns herum gewöhnen. Wir sind ja erst seit ein paar Monaten unterwegs, da ist es so, als ob man jeden Tag eine ganz neue Welt kennen lernt. Ganz besonders in Europa nimmt man so vieles in sich auf. In Amerika ist das anders, weil wir dort geboren wurden und mehr oder weniger mit derselben Kultur konfrontiert werden. Hier muss man nur ein paar hunderte Kilometer reisen und hat teilweise eine komplett andere Kultur vor Augen. Es macht so viel Spaß all das zu erleben. An anderen Tagen vermissen wir unser Zuhause schon sehr.

Jacob: Ich finde es fantastisch so viel zu reisen, vor all den Kids zu spielen und dich mit ihnen zu unterhalten. Und mit Kids meine ich eigentlich Erwachsene, die im Herzen trotzdem jung geblieben sind (lacht).

Eure einzige Deutschland Show im Februar war in null Komma nichts ausverkauft noch lange bevor ihr überhaupt euer gerade erschienenes Debütalbum veröffentlicht habt. Das ist eine ziemlich bemerkenswerte Leistung.

Jacob: Es ist alles sehr aufregend und überraschend für uns und viele Dinge passieren sehr unerwartet. Als wir angefangen haben Musik zu machen, hatten wir diese bestimmte Herangehensweise, die wir verfolgt haben. Wir wollten in allererster Linie Spaß haben und zu einem für uns zufrieden stellenden Ergebnis kommen. Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass niemand unsere Musik wirklich wahrnehmen würde, weil wir so hemmungslos an die Sache herangegangen sind, was das Schreiben und die Aufnahmen angeht. Es berührt uns sehr, dass wir in eine völlig fremde Stadt kommen, wo wir nicht eine Menschenseele kennen und es Leute gibt, die sich unsere Konzerte ansehen wollen. Das ist ein wunderbares Gefühl. Wir versuchen uns all das aber nicht zu Kopf steigen zu lassen. Wir werden oft gefragt, wie wir den Hype um uns einschätzen und wie wir dem Druck standhalten, aber für uns existiert das nicht vordergründig. Es beeinflusst nicht unser Zusammensein oder die Art, wie wir Musik machen.

Du hast gerade den Hype erwähnt, der momentan um euch gemacht wird. Ist das in euren Augen eher schmeichelhaft oder doch eine Last, die ihr tragen müsst?

Jacob: Ich finde es schmeichelhaft, denn ich hatte bis jetzt nicht das Gefühl, dass durch all die Aufmerksamkeit ein größerer Druck auf unseren Schultern lastet.

Adam: Das Wort "Hype" hat oft einen negativen Beigeschmack, aber wir empfinden das überhaupt nicht so. Wir sollten ihn am besten in eine Box packen und an unsere zukünftigen Ichs schicken (lacht).

Jacob: Ja, genau. Ich schicke meine Box dann an meine Mutter (lacht). Seien wir mal ehrlich, der Hype wird genauso schnell wieder verschwinden, wie er aufgetaucht ist und wir werden einfach genau so weitermachen wie bisher.

Ihr scheint mit eurer Musik eine ziemlich klare Linie zu verfolgen und ebenso feste Vorstellungen zu haben, was das Drumherum wie eure Videos oder euer Artwork angeht. Fühlt ihr euch durch all die Aufmerksamkeit nicht manchmal dazu gezwungen gegen gewisse Darstellungen in der Presse anzukämpfen, weil sie vielleicht nicht euren Anschauungen entsprechen?

Jacob: Bisher gab es zum Glück noch keine Situation, in der wir das für nötig befunden hätten, denn die meiste Berichterstattung über uns beruht auf der Wahrheit. Vielleicht liegt es daran, dass wir in den ganzen kreativen Prozessen solche Controlfreaks sind und überall unsere Finger im Spiel haben. Da kann am Ende schlecht etwas entstehen, mit dem wir uns nicht irgendwie identifizieren könnten. Ich denke auch, dass die Leute da draußen das verstehen, selbst diejenigen, die unsere Musik vielleicht nicht mögen. Selbst die Artikel, die nicht so positiv sind und unsere Musik zerreißen, sind trotzdem wahr. Es ist nur so, dass unsere Songs von einigen Menschen eben nicht gemocht werden. Das ist okay, denn es wäre schlimmer, wenn die Presse anfangen würde Lügen über uns zu verbreiten.

Adam: Ich denke, es wird schwieriger sein das eigene Ich zu bewahren, je mehr du bereit bist kreative Dinge an andere Hände abzugeben. Man bietet dadurch automatisch viel mehr Angriffsfläche für Menschen, die darauf warten dich schlecht darzustellen. Es reicht manchmal schon, wenn du nur das kleinste Detail änderst und schon stürzen sich alle darauf. Wir fühlen uns sehr wohl dabei an allen Dingen selbst beteiligt zu sein. Das ist viel weniger Chaos.

Jacob: Sobald der Hype vorüber ist, werden die Leute unsere Musik hören, die wirklich daran interessiert sind und nicht weil sie durch die Medienpräsenz dazu gezwungen werden sich unsere Songs anzuhören. Es ist nun mal der natürliche Verlauf der Dinge, dass bestimmte Sachen in einem Moment interessant erscheinen und im nächsten wieder vergessen sind. Wir machen uns darüber absolut keine Illusionen und sind uns dieser Tatsache bewusst. Darum genießen wir es gerade so viele tolle Erfahrungen zu sammeln, viele tolle Menschen zu treffen und uns mit ihnen zu unterhalten. Alles ist spannend für uns...auch dieses Interview, das meine ich ernst.

Adam: Nur wir selbst sind keine interessanten Personen, alles andere schon (lacht).

Habt ihr denn überhaupt Zeit all die Erlebnisse und Eindrücke, die momentan auf euch niederprasseln zu verarbeiten?

Adam: Vielleicht nachts, wenn wir schlafen. Ich reflektiere schon, was mit mir selbst und um mich herum passiert.

Jacob: Das stimmt, Adam ist ein sehr nachdenklicher Typ. Er besinnt sich wohl noch am meisten auf das, was gerade passiert. Alles in allem halten wir uns gedanklich aber nicht allzu sehr an dem fest, was wir gerade machen. Es gibt immer zwei Seiten, die man betrachten muss. Du kannst zum Beispiel eine tolle Review lesen und dann siehst du plötzlich ein grauenvolles Bild von dir daneben. Daran will man sich auf keinen Fall erinnern! (lacht)

Wenn ihr euch nicht von all der Aufmerksamkeit um euch herum ablenken lasst, gibt es dann so etwas wie einen größeren musikalischen Plan bei euch im Hinterkopf oder nehmt ihr alle anstehenden Hürden lieber in kleinen Schritten?

Adam: Es ist nicht unbedingt ein großer Plan, aber wir haben viele kleine, die sich letztendlich alle zusammenfügen (lacht).

Jacob: Die Sache ist die, dass wir wie vorhin schon erwähnt, gar nicht mit so viel Aufmerksamkeit gerechnet haben. Unser einziger Plan und damit auch das Ziel war die Tatsache, dass wir ein Album aufnehmen wollten auf das wir stolz sein konnten. Das haben wir für uns persönlich geschafft. Es ist nicht so, als ob wir angefangen haben Musik zu machen und gleichzeitig einen Schlachtplan verfolgt haben. Durch die vielen positiven, überraschenden Wendungen, die wir erlebt haben, konnten wir uns nur auf das verlassen, was wir ohnehin erreichen wollten und das waren die Aufnahmen zu unserem Album. Alles andere kannst du einfach nicht planen. Darum konzentrieren wir uns momentan auch nur auf unsere Konzerte und darauf ein zweites Album zu machen, auf das wir ebenso stolz sein können. Mehr zu wollen oder zu planen, wäre utopisch. Das ist wie bei den Olympischen Spielen, wo du niemals voraussehen kannst, was passiert. Da fällt mir ein, wir haben vielleicht doch noch ein Ziel...

Adam: Wir würden wahnsinnig gerne bei den Olympischen Spielen auftreten! (lacht)

Jacob: Aber das ist nur eine vage Idee von uns. Das wird wahrscheinlich niemals passieren...

Welche Olympischen Spiele habt ihr denn anvisiert?

Adam: Am besten gleich die nächsten. Für alle folgenden werden wir doch schon viel zu alt sein! (lacht)

Jacob: Ich würde auch dort spielen wollen, wenn ich schon alt bin. Unbedingt!

Sobald man als Künstler ins Scheinwerferlicht rückt, wird man automatisch auch verletzlicher für die Außenwelt. Ist das ein Thema innerhalb der Band?

Jacob: Ja, irgendwie ist es das schon. Man passt zum Beispiel mehr auf, was man tut oder lässt oder achtet auf seine Wortwahl. Es ist ein Lernprozess, den man als normale Person durchläuft, weil man es einfach nicht gewohnt ist, dass alles aufgenommen wird, was man äußert. Teilweise denkt man sich hinterher schon, dass man manches besser anders formuliert hätte. Man lernt sich selbst durch all diese Erfahrungen besser kennen und bekommt manchmal ein anderes Bild von seiner eigenen Person.

Adam: Ich versuche mich nicht allzu sehr zu analysieren. Das wäre am Ende doch noch deprimierend, weil man sich nicht so leicht ändern kann, auch wenn man es vielleicht möchte.

Verletzbarkeit ist auch in euren Songs ein immer wiederkehrendes Thema, wenn auch in einem anderen Kontext, nämlich in zwischenmenschlichen  Liebesbeziehungen. Diese verletzliche Seite, die ihr zum Teil in eurer Musik ausstrahlt, ist auf der Bühne hingegen nicht spürbar. Dort wirkt es so, als ob ihr eine starke dynamische Einheit bildet, der nichts etwas anhaben kann.

Adam: Das ist interessant, dass du das so siehst. Gerade wenn wir uns bei unseren Konzerten mit all unserer Energie in einen Song werfen, ist das für mich auch gleichzeitig der Moment, an dem ich mich am verletzlichsten fühle. Besonders, weil ich so viel von mir selbst preisgebe.

Jacob: Wenn wir auf der Bühne stehen, handeln wir im Allgemeinen sehr impulsiv und kontrollieren zwar unser Spiel, aber nicht immer unsere Emotionen. Daher lassen wir uns, was diesen Aspekt angeht, auch mitunter sehr gehen. Wir haben unheimlichen Spaß bei unseren Konzerten und so kommt es vor, dass wir anfangen unkontrolliert zu tanzen, weil wir gerade Lust dazu haben. Man kennt das ja teilweise von Live Shows bei denen sich die Leute nicht trauen wirklich aus sich herauszugehen und das zu zeigen, was sie in diesem einen Augenblick empfinden. Wir denken immer, dass sich unser Publikum bei unseren Konzerten keine Gedanken darüber machen muss, da wir als agierende Musiker auf der Bühne selbst so blöde und lächerliche Bewegungen machen, dass es umso spaßiger wird, wenn die Menge einfach mitmacht und ihre Bedenken über Bord wirft. Mal im Ernst, man muss schon einiges tun, um noch lächerlicher auszusehen als wir. (lacht) Die Fans, die zu unseren Shows kommen, sollten sich genauso frei und unbeschwert bewegen können, als ob sie bei sich zu Hause zu ihrem Lieblingsalbum durch den Raum tanzen, weil sie gerade niemand sehen kann. Unsere Musik ist unter dem Strich gesehen so einfach aufgebaut, dass man sie mühelos zerpflücken und in ihre Einzelteile zerlegen kann. Wir mögen es auch mit Kontrasten zu spielen und lieben es den doch eher beschwingten Melodien ernste und deprimierende Texte gegenüberzustellen. Viele Leute sagen uns, dass unsere Musik so fröhlich klingt und wenn sie auf die Texte dazu achten, dann eröffnet sich ihnen ein ganz neues Bild, was wir vermitteln wollen. Die Dynamik, die sich aus diesem Kontrast entwickelt, ist auf der Bühne wahrscheinlich noch offensichtlicher und dadurch erwecken wir wohl den Eindruck, als ob wir dort weniger verletzlich sind. Wir mögen es alles was wir tun eher simpel zu halten. Auch unsere Texte richten sich sehr direkt an die Hörer und sind einfach zu verstehen. Andererseits möchten wir unsere Shows auch interessant gestalten und das funktioniert durch so offen gelegte Gefühle eben am besten, weil sie spontan aus dir herauskommen. Wir mögen es nicht solche Dinge zu planen, sondern legen einfach los. Vielleicht ist das ein Grund, warum wir für die Medien ein wenig aus der Masse herausstechen.

Dieser Kontrast von heiteren Melodien auf der einen Seite, aber melancholisch angehauchten Texten auf der anderen Seite wirkt im ersten Moment ambivalent, aber drückt in gewisser Weise auch aus, dass kleine Optimisten in euch stecken. Ihr hättet immerhin ohne weiteres in Anlehnung an eure Texte musikalisch ein getrübtes Bild hinterlassen können. Stattdessen, macht ihr das Gegenteil und wendet euch innerhalb der Musik eher der Sonnenseite statt der Schattenseite zu.

Jacob: (beide lachen) Ich weiß, was du meinst. Für uns war es überhaupt nicht interessant unsere mitunter nachdenklichen Texte auf eine Weise zu interpretieren, die musikalisch gesehen genau das gleiche ausdrückt. Wenn wir das gewollt hätten, hätten wir auch eine dieser Bands werden können, die trübselige Texte mit noch trübseligeren Melodien auf der Akustik-Gitarre untermalt und am Ende schrecklich deprimierend klingt. Ich bin von Natur aus zwar ein eher pessimistischer Mensch, aber ich versuche trotzdem mich immer an einen Halm zu klammern und die Hoffnung nicht aufzugeben. Genauso ist es auch mit der Musik. Auch wenn die Texte eher ein dunkleres Bild zeichnen, drückt die Musik doch das Gegenteil aus und lässt einen Hoffnungsschimmer erkennen.

Die Songs auf eurem Debütalbum sind ihrem Wesen nach sehr kohäsiv, so dass am Ende ein wirklicher Zusammenhalt deutlich wird, wenn man die Platte hört. Inwiefern ist es notwendig, dass man sich als Band bewusst dafür entscheidet den erst einmal eingeschlagenen Weg musikalisch so konsequent zu verfolgen, um damit erfolgreich zu sein?

Jacob: Danke, dass du diesen kohäsiven Stil bemerkt hast! (lacht) Jede Band muss letztendlich selbst entscheiden, von welcher Perspektive aus sie so ein Album angehen will, aber wir persönlich mögen es durchgängig einen roten Faden zu haben, der ein stimmiges und einheitliches Resultat zur Folge hat. Darum versuchen wir nicht nur musikalisch, sondern auch was unsere Videos oder unser Artwork angeht, eine bestimmte Linie zu verfolgen ohne uns zu wiederholen. Mir gefällt der Gedanke, dass man als Band dieses bestimmte Etwas entwickelt, das einem diesen unmissverständlichen Charakter verleiht. Du hörst vielleicht einen unserer Songs im Radio ohne ihn zu kennen, aber weißt trotzdem genau, dass es The Drums sind, weil dir der Song das unweigerlich deutlich macht. Viele unserer Lieblingsbands haben dieses gewisse Etwas, was sie sofort kennzeichnet, wie zum Beispiel The Ramones, The Strokes usw. Ich möchte, dass wir uns dieses Merkmal bewahren so lange wie wir Musik machen. Man sollte das bei unserem nächsten Album ebenso hören, wie vielleicht bei unserem letzten Album. Jedes Mal sollten Erinnerungen an die erste Platte wach werden. (lacht) Kritiker werden jetzt sagen, dass das langweilig ist, aber wir finden das interessant. Von mir aus muss sich eine Band nicht ununterbrochen neu erfinden und sich ständig verändern.

Trotzdem ist es genau das, was viele Bands sich zum Ziel setzen und was in den Medien meistens auf Anerkennung stößt. Jedes Album soll eine spürbare Entwicklung darstellen. Ihr, hingegen, habt euch also vorgenommen das Gegenteil zu machen und in der Zukunft einfach lieber bei dem zu bleiben, was ihr gut beherrscht?

Jacob: Ja, dem würde ich zustimmen. Es gibt viele Bands da draußen, die ihr musikalisches Dasein von einem Album zum nächsten komplett verändern wollen, was ich nicht so recht nachvollziehen kann. Vielleicht war die ursprüngliche Idee in dem Fall nicht so gut wie gedacht. Ich will mich gar nicht negativ über andere Bands äußern, die diesen Weg einschlagen, denn es gibt so viel Gutes und Spannendes an Musik, das daraus entstehen kann. Trotzdem kann ich mir das für The Drums nicht vorstellen. Unsere Ideen sind von Beginn auf einem festen Boden gewachsen und waren so stark ausgeprägt, dass wir das nicht zerstören wollen. Es war uns von Anfang an wichtig, dass unsere Musik simpel und eindeutig ist. Wir kommen aus Brooklyn und gerade in dieser Gegend kommt es mir so vor, als ob es den Bands nur noch darum geht mit jedem Song origineller zu klingen als alle anderen Bands. Es ist fast schon so etwas wie ein Wettkampf geworden, aber letztendlich entsteht dadurch ein großes Durcheinander, weil sich alle übertrumpfen möchten. Es werden so viele Stile wild miteinander vermischt, dass die Bands vergessen Songs zu schreiben, die nur gut klingen, weil sie für den Hörer einfach zugänglich sind.

Adam: Es gibt in Brooklyn auch eine Menge Bands, die nicht auf diesen Zug aufspringen wollen und ähnlich denken wie wir. Zum Beispiel "The Pains Of Being Pure At Heart" oder "The Hairs".

Jacob: Wir wollen einfach nur gute Popsongs schreiben und uns musikalisch nicht verkleiden, um interessanter zu erscheinen. Wenn ein Song nicht gut genug ist, dann nützt auch die beste Produktion nichts, um ihn besser zu machen. Gerade im letzten Jahrzehnt war Musik in vielerlei Hinsicht überproduziert und klang künstlich. Es wurde einfach die Tatsache ignoriert, dass am Anfang der Kette immer noch ein guter Song stehen muss. Wir haben uns daher auch ganz bewusst dafür entschieden die Produktion und das Mixen unserer Songs selbst zu übernehmen, um den Fokus auf die Songs selbst zu legen.

Ihr versucht, was eure Musik angeht, so viel Kontrolle zu behalten wie nur möglich. Wie schwierig ist es dabei eine gesunde Distanz zu dem ganzen Musikbusiness-Mechanismus zu wahren, aber dennoch bis zu einem bestimmten Grad mitzuspielen? Immerhin seid ihr am Ende doch mittendrin.

Jacob: Es klingt vielleicht komisch, aber wir haben immer versucht diesen ganzen Mechanismus so gut es geht zu ignorieren. Dadurch, dass wir niemals den direkten Weg gegangen sind, sondern auf Umwegen das erreicht haben, was wir wollten, waren wir von Anfang an nicht in die typischen Mechanismen involviert. Als wir auf der Suche nach Spielmöglichkeiten waren, haben uns viele in Brooklyn gesagt, dass wir nicht dorthin passen würden. Also haben wir unsere eigenen Shows veranstaltet und sind einige Dinge anders angegangen als üblich. Demnach haben wir frühzeitig vermieden ein Spielball für andere zu werden.

Adam: Es hat auch eine Weile gedauert bis wir eine Entscheidung gefällt hatten mit wem aus der Musikbranche wir letztendlich zusammenarbeiten wollten. Wir haben nach einer bestimmten Person Ausschau gehalten, die zu uns passt und sich in unserer Welt zu Hause fühlt.

Jacob: Wir haben uns mit so ziemlich jedem Label in der Welt getroffen, weil sie an uns interessiert waren oder zumindest vorgaben interessiert zu sein, weil wir gerade als das nächste große Ding gehypt wurden. Dabei war es oftmals so offensichtlich, dass die wahren Motive für das Interesse nicht darauf basierten, dass sie unsere Musik wirklich verstanden haben. Darum sind wir momentan sehr glücklich mit unserer finalen Entscheidung, was das Label angeht. Sie geben uns das Gefühl, dass sie unsere Arbeit verstehen. Selbst die Dinge, die sie nicht verstehen, versuchen sie nicht krampfhaft zu ändern.

Adam: Andere sehen vielleicht dein Potenzial, aber insgeheim denken sie, dass du deinen Höhepunkt schon erreicht hast...das haben wir noch längst nicht! (lacht)

Jacob: Bevor du dich versiehst, werden wir schon wieder out sein...da gehen sie, die Vergessenen...(lacht)

Von wem nehmt ihr denn persönlich noch einen Rat an, wenn es gilt, wichtige Entscheidungen hinsichtlich eurer Musik und eurer Karriere zu machen?

Adam: Unser Label ist uns sehr wichtig und wir vertrauen den Menschen mit denen wir zusammen arbeiten, aber gerade was musikalische Entscheidungen angeht, regeln wir das innerhalb der Band und legen viel Wert auf die Meinung jedes einzelnen Bandmitglieds. Wir sind natürlich immer offen für Ratschläge und gut gemeinte Vorschläge von außerhalb, aber letztendlich besprechen wir wirklich wichtige Dinge unter uns vieren.

Jacob: Es war schon immer so, dass wir uns bei der Zusammenarbeit mit Labels, PR-Firmen etc. anderen Meinungen geöffnet und gesagt haben, dass wir uns alle Vorschläge anhören. Im selben Atemzug haben wir aber auch deutlich gemacht, dass die finale Entscheidung bei uns als Band liegen muss und wir die Freiheit haben müssen jegliche Vorschläge, die uns missfallen, abzulehnen. Dennoch ist es wichtig, dass wir zum Beispiel unserem Management vollstes Vertrauen schenken können.

Adam: Gerade was das Management angeht, gibt es so viele Aspekte, von denen wir nicht genügend Ahnung haben. Deswegen kommt man nicht umhin bestimmte Ratschläge zu befolgen.

Jacob: Manchmal tut es auch gut, wenn man sich eine zweite Meinung einholt, die überhaupt nichts mit dem Musikbusiness zu tun hat. Ich habe einen Freund, der ist Doktor, und der gibt mir oft tolle Tipps. Als Außenseiter hat man teilweise einen völlig anderen Blick auf die Dinge, sieht einiges mit dem nötigen Abstand und kann logischere Entscheidungen treffen.

Adam: Eine andere Perspektive kann manchmal so entscheidend sein, wenn man sich unsicher ist. Meine Mutter ist auch eine Person, die mir ab und zu sehr hilfreiche Tipps gibt, obwohl sie gar nichts mit all dem zu tun hat, was wir machen.

Es klingt so, als ob ihr alle Entscheidungen in jedem Fall sehr überlegt fällt und nicht unnötig impulsiv handelt.

Adam: Schon, aber dieser Prozess läuft meistens trotzdem sehr schnell ab, weil wir nicht so lange überlegen müssen bis uns klar wird, was wir wollen.

Jacob: Wenn es darauf ankommt zu einer Entscheidung zu gelangen, sind wir uns häufig sehr schnell einig, was wir möchten. Die Karten liegen auf dem Tisch und wir vier äußern innerhalb von Sekunden die gleichen Gedanken und dann ist die Sache klar. Natürlich gibt es auch Momente, in denen wir uns ganz bewusst Zeit lassen, um nichts zu überstürzen. Dann kommt es schon vor, dass wir eine Weile zusammen sitzen und alles ausführlich besprechen, um keinen Fehler zu machen. Gerade was den ganzen kommerziellen Aspekt von Musik angeht, muss man stark abwägen. Es kommt vor, dass sie deinen Song für einen Werbespot haben wollen, du bei diesem oder jenen Auftritt eine Sonnenbrille von dieser einen Marke tragen sollst usw. Unsere generelle Antwort auf solche Sache ist fast immer ein nein. Uns ist bewusst, dann man nicht zu allem sofort nein sagen kann, weil sich sonst irgendwann niemand mehr für dich interessieren wird, aber wir passen sehr auf, was wir zulassen. Man kann nicht immer sicher sein, dass man die richtige Entscheidung trifft, aber so ist das nun mal. Wir versuchen unser Bestes.

Bei eurem letzten Konzert in Berlin ist mir aufgefallen, dass nicht alles auf der Bühne live war, von dem was akustisch wahrzunehmen war. Einige Parts wurden trotz eures vollen spielerischen Einsatzes eingespielt. Was genau ist der Grund dafür, dass ihr euch dieses Hilfsmittels bedient anstatt kleine Unvollkommenheiten, die live im Vergleich zur Studioaufnahme durchaus vertretbar sind, hinzunehmen?

Jacob: Unsere Band besteht aus nur vier Mitgliedern und für uns ist das ein klassisches Line-Up, dessen Zusammenhalt wir nicht stören wollen. Uns war bewusst, dass wir auf der Bühne mit dieser begrenzten Formation nicht alles selbst so umsetzen könnten, wie das auf dem Album der Fall ist. Trotzdem war uns die Idee zuwider einen zusätzlichen Session-Musiker zu engagieren. Es gibt natürlich Synthesizer-Parts, Handclaps oder Pfeifgesänge, die wir live mit nur vier Leuten unmöglich realisieren können, daher erschien es uns sinnvoll Einspieler zu verwenden und gleichzeitig das Line-Up als Quartett nicht zu stören. Es macht uns nichts aus, wenn eine Bass-Spur deswegen aus dem Nichts heraus vom Band kommt. Wir wurden besonders in den Anfangszeiten oft dafür kritisiert, dass wir so vorgehen, aber das war und ist uns immer noch egal, weil es sich für uns richtig anfühlt. Ich mag die Vorstellung, dass wir dadurch unser klassisches Bühnenbild bewahren, aber trotzdem nicht auf all diese zusätzlichen Dinge verzichten müssen, die unsere Musik ausmacht. Dem ganzen Geschehen auf der Bühne wird dadurch ein bestimmter Reiz verliehen, der eben nicht akustisch eins zu eins das widerspiegelt, was man auch visuell wahrnehmen kann. Es gibt so viele Bands heutzutage, die genau das gleiche machen, nur die sind besser darin diesen Aspekt zu verstecken. Wir machen uns nichts daraus und geben es offen zu.

Es ist kein Geheimnis, dass ihr bei euren Konzerten mitunter so wild über die Bühne tanzt und eure Instrumente bearbeitet, so dass man stellenweise Angst haben muss, dass ihr euch irgendwann verletzten könntet. Ist das schon einmal passiert?

Adam: Oh, wir verletzten uns schon ab und zu. Schau dir mal Jacobs Nase an! (lacht)

Jacob: Ja, ich habe mir vor zwei Tagen das Tamburin auf die Nase gehauen und habe jetzt noch einen Kratzer davon im Gesicht (lacht). So etwas passiert uns ständig. Jedes Mal, wenn wir auf die Bühne gehen, hat irgendjemand von uns noch ein "Andenken" von einer der letzten Shows.

Auffällig ist, dass bei euch jedes Mitglied auf der Bühne eine sehr expressive Körpersprache zum Ausdruck bringt und das ganze Bühnengeschehen sich nicht nur, wie so oft, auf den Sänger konzentriert. Bei euch wirkt der ganze Bühnenraum lebendig, weil jeder Einzelne von euch sehr aktiv ist.

Jacob: Es freut mich, dass du das so siehst. Wir wollten schon immer in einer Band sein, die auch auf der Bühne aus sich herausgehen kann und Spaß hat. Wenn man ein Konzert besucht, will man doch nicht gelangweilt werden, aber viele Shows sind genau das und wirken eher wie Bandproben. Ich habe mich schon immer eher zu Hardcore-Konzerten hingezogen gefühlt, weil dort so unglaublich viel passiert.

Adam: Als ich aufgewachsen bin, habe ich es geliebt zu Punk-Konzerten zu gehen!

Jacob: Ich glaube jeder von uns hat sich in dieser Szene recht wohl gefühlt und wir sind alle damit aufgewachsen, dass wir zu Hardcore- oder Punk-Konzerten gegangen sind. Ich kann nicht unbedingt sagen, dass ich dieser Art von Musik völlig verfallen wäre, aber ich habe es immer sehr genossen mir solche Konzerte anzusehen, weil auf der Bühne so viele absurde und wilde Sachen passiert sind. Das Publikum ist es gewöhnt, dass Punk Bands live ausflippen, aber von einer Popband wie wir es sind, würde das niemand wirklich erwarten. Uns hat der Gedanke gefallen, dass man auch als Popband mal ordentlich über die Stränge schlagen kann, wenn einem danach ist und genau das machen wir bei unseren Shows. Wir versuchen bei jedem Konzert total aus uns heraus zu gehen und dabei kommen teilweise einige wirklich lächerliche Dinge zustande. Das ist einfach unsere Mentalität, die man in diesen Augenblicken sieht. Es gibt viele Menschen, die genau das stört, weil sie denken, dass wir das machen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, aber so ist das nicht. Wir wollen unser Publikum einfach nur gut unterhalten und selbst viel Spaß haben.

Der Unterhaltungsfaktor ist also euer oberstes Ziel, wenn ihr auf die Bühne geht?

Jacob: Es klingt vielleicht wie ein großes Klischee, aber wir haben damit angefangen und genau diese Art von Konzerten gegeben bevor uns so viele Menschen zugeguckt haben. Jetzt, wo wir vor einer immer größer werdenden Menge spielen, fühlen wir uns noch mehr dazu angestachelt dem Publikum auch eine gute Show zu liefern. Immerhin kommen sie extra, um uns zu sehen und bezahlen Geld. Wir empfinden das überhaupt nicht als etwas Selbstverständliches, sondern möchten natürlich, dass das Publikum ebenso viel Spaß hat wie wir. In gewisser Weise schulden wir ihnen, dass wir uns ab und zu lächerlich machen (lacht).

Adam: Das stimmt, aber obwohl wir nun eine wachsende Zuschauermenge vor uns haben, spielen wir unsere Konzerte auch immer mit einem kleinen egoistischen Herzen. Wir können nur auf die Bühne gehen, wenn wir das machen, was wir auch selbst fühlen und uns nicht für irgendjemanden verbiegen.

Jacob: Es kommt oft vor, dass nach den Konzerten die Fans auf uns zu kommen und uns erzählen, dass sie die Hälfte der Zeit einfach nur gelacht haben...

Was ihr als Kompliment auffasst oder bringt euch das manchmal auch zum Nachdenken?

Jacob: Ich empfinde das als Kompliment! Immerhin zeigt das auch, dass die Fans sich gut unterhalten fühlen und Spaß haben, weil sie auf der Bühne etwas sehen, dass sie fröhlich stimmt. Mal ehrlich, wir machen schon ein paar lächerliche Sachen, wenn wir live spielen, das geht schon in Ordnung. Ich muss ja selbst lachen, wenn wir Aufnahmen von uns sehen (lacht). Aber wenn du mittendrin bist, dann denkst du nicht nach, sondern machst einfach, wonach dir gerade der Sinn steht. Einmal habe ich das Tamburin so in die Luft geworfen, dass es Connor direkt zwischen die Beine geflogen ist, weil er für einen Moment woanders hingesehen hat. Das war peinlich! (lacht)

Adam: Ja, oder als du mit dem Tamburin ein Mädchen im Publikum getroffen hast...

Jacob: Autsch! Immer dieses verdammte Tamburin...(beide lachen) Das ist eindeutig vom Teufel besessen.

Ihr sprecht von euch selbst immer als Popband und tragt das Pop-Label mit Würde, obwohl Popmusik heutzutage leicht mit negativen Konnotationen belegt ist.

Adam: Ja, das ist wahr. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir eine Popband sind und wir haben auch nicht versucht das zu verschleiern. Viele Leute assoziieren "Pop" immer sofort mit etwas blank Poliertem und Künstlichem, aber wir sehen das gar nicht so.

Jacob: Die ursprüngliche Definition von "Pop" war etwas ganz Wundervolles und überhaupt nicht peinlich. In den 50er, 60er oder sogar 80er Jahren wurde Popmusik teilweise noch ganz anders wahrgenommen. In dieser Zeit schreckte niemand davor zurück sich diesen Stempel aufzudrücken. In den 90ern ist dann irgendwann etwas passiert, was das ganze Bild umgekehrt hat. "Pop" war auf einmal alles, was schnell produziert war und mit tollen Tanzchoreographien um die Ecke kam. Die meisten Menschen haben vergessen, dass Popmusik etwas sehr Schönes sein kann. Wir wollen die Leute da draußen mit unserer Musik daran erinnern, dass es auch noch etwas anderes gibt, als all das, was heutzutage dieses Label trägt. Es geht nicht darum ein perfektes Image aufzubauen, sondern darum gute Popsongs zu schreiben, die anderen etwas bedeuten. Man muss dazu nicht wie Beyoncé über den Bildschirm tanzen.

Adam: Die ursprüngliche Idee von Popmusik beinhaltete all diese aufgestellten Regeln, die befolgt wurden, was uns sehr gefällt. Die Songs waren strukturell sehr simpel und direkt, sie dauerten gerade einmal drei Minuten und haben doch so viel mehr ausgesagt, als das heute größtenteils der Fall ist. Vor allem haben sie den Menschen Vergnügen bereitet während es jetzt nur noch darum geht, wer sich am besten verkaufen kann.

Jacob: All diese Regeln und damit auch Einschränkungen fordern dich in deiner Kreativität sehr heraus. In drei Minuten musst du es hinbekommen eine Melodie so aufzubauen, dass sie eine gute Struktur hat und dabei nicht belanglos wirkt. Es gehört viel dazu das hinzubekommen und wir nehmen diese Herausforderung gerne an, weil sie uns so viel ehrlicher erscheint als all diese aufgesetzten Masken, die die Popmusik heute so hergibt. Viele Bands haben alle technischen Möglichkeiten dieser Welt und gerade weil sie verfügbar sind, wollen sie sie bis zum Umfallen ausschöpfen. Dabei gibt es kaum noch Hürden, die unüberwindbar sind und so rennen viele Musiker in alle Richtungen gleichzeitig, aber versäumen es sich auf etwas Bestimmtes zu konzentrieren. Das hört man der Musik dann auch an.

Adam: Wenn man sich innerhalb festgesteckter Parameter bewegt, muss man viel konzentrierter arbeiten und lernen gewisse Grenzen positiv für sein kreatives Schaffen zu nutzen. Zumindest funktioniert das sehr gut für uns. Es gibt andere Bands, die ticken völlig anders, jammen für 24 Stunden, haben wunderbare Musiker und kommen am Ende zu einem großartigen Ergebnis. Wir machen uns nicht diese Illusionen das zu erreichen, sondern wollen einfach nur einen Popsong schreiben, der sich in diesem für uns ansprechenden Rahmen bewegt.

Bevor ihr als The Drums zusammen gefunden habt, wart ihr alle in anderen Bands unterwegs. Hattet ihr dort bereits dieselben Prinzipien, was das angeht?

Jacob: Das würde ich nicht behaupten, aber als wir uns zu unserer ersten gemeinsamen Probe getroffen haben, hat es sofort Klick gemacht und wir lagen auf einer Wellenlänge. Wir wussten, dass wir uns auf den ursprünglichen Sinn von Popmusik berufen wollten. Als ich die anderen Jungs traf, konnte ich gar nicht glauben, wie sehr wir uns in unserem Musikgeschmack und unseren Vorstellungen, was  Musik sein sollte, ähnelten. Es war ein Wuuunder! (Pause bevor allgemeines Gelächter losbricht) Und genau deswegen hassen uns so viele Leute, eben weil wir solche Dinge sagen. Ich sag's noch einmal, ein Wunder, es war ein grandioses Wunder...(lacht)

Adam: Die Chemie bei uns hat einfach sofort gestimmt, was nicht so oft vorkommt. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man mit seinen besten Freunden zusammen in einer Band spielt. Man sollte sich schließlich nicht fühlen, als ob man auf dem Weg zur Bandprobe zu einem Job geht, den man nicht ausstehen kann.

Jacob: Es ist so wichtig, dass man sich innerhalb der Band wohl fühlt. Wir sind ja keine Studiomusiker, die sich bei einem Casting getroffen haben, um zusammen Musik zu machen. Ich finde, man kann schnell erkennen, welche Bands so funktionieren und welche Bands wirklich freundschaftlich zusammen gefunden haben. Gerade auf der Bühne sieht man häufig Bands, die so wirken, als ob man sie dazu gezwungen hätte miteinander zu spielen. Das will doch niemand sehen. Wir kennen uns zwar vergleichsweise noch nicht so lange, aber trotzdem macht das für unser Spiel keinen Unterschied. Jonathan hat Connor getroffen und ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte bei uns mitzumachen bevor er überhaupt wusste, wie gut oder schlecht er Schlagzeug spielen kann. Zwischenmenschlich war eben sofort eine gute Basis da.

Adam: Wir wohnen ja auch zusammen und dadurch sind wir auch was unsere Kreativität angeht sehr eng miteinander verbunden und können ständig an Songs arbeiten. Es ist fast so, als ob wir in einer Blase leben, die nur uns gehört und so kann es vorkommen, dass jemand über ein wunderschönes, altes Foto stolpert und wir alle so sehr davon fasziniert sind, dass wir einen Monat lang daran denken und es irgendwie mit in unsere Arbeit einfließen lassen wollen.

Jacob: Alles, was gerade passiert, fühlt sich sehr natürlich an. Egal, ob wir zusammen Songs schreiben oder irgendwo auf der Welt Shows spielen. Ich wette, dass andere Bands noch viel mehr machen als wir, weil wir von den Aufnahmen für unser Album gerade mal einen Song nicht verwendet haben und andere Bands noch zwanzig weitere Stücke auf Lager haben.

Adam: Genau diesen Song wirst du niemals zu hören bekommen. Niemals. Oder warte, ich kann dir verraten, dass wir den Song für unseren Auftritt bei den Olympischen Spielen zurückhalten und dort präsentieren werden. Wartet nur ab! (lacht)

Interview: Annett Bonkowski

www.thedrums.com

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